Die Beschreibung unter »Körperaufbau für Einsteiger ist bewusst sehr
einfach gehalten und (hoffentlich) auch für weniger geübte Tänzer sofort nachvollziehbar. Sie hat ihr großes
Manko aber in der fehlenden Anleitung, wie genau es anzustellen ist, sich "gerade" aufzubauen. Eigentlich
beschränkt sich die Anfängervariante auf die Hinweise: gerade stehen, leicht im Knie, in der Fußmitte
.
Das ist mehr, als vielen Tänzern umzusetzen gelingt und daher o.k. als Einführung in das Thema. Hier soll
es aber etwas praktischer und auch etwas anspruchsvoller werden ... eben für Fortgeschrittene.
Wer schon einmal etwas über korrekten Stand beim Tanzen gehört hat, hört immer wieder die gleichen Sätze:
Wenn der Trainer etwas besser ist, hört sich das dann immerhin gern schon einmal so an:
Für die Hinweise "gerade" und "gestreckt" erfordert es keinen Trainer. Und was am Kinn soll parallel zum
Boden verlaufen? Der Wangenknochen oder die Kinnlinie? Wer es mal im Spiegel überprüft, wird feststellen,
dass beide Ansätze nicht zum gewünschten Ergebnis führen müssen.
Den Kopf nach hinten zu nehmen, ist da als Idee schon besser. Leider führen diese Bemühungen oft zu einem
Doppelkinn und in Verbindung mit einem gestreckten Hals auch zu dem Problem, dass der Herr gerade über kleinere
Partnerinnen hinweg schaut.
Ziel sollte es aus meiner Sicht also sein, den Kopf weder besonders nach vorn noch nach hinten zu drücken.
Ausreichend ist, wenn der Kopf natürlich über den Schultern steht. So bleibt er beweglich, erlaubt einen
Blickkontakt zum Partner und dass der Kopf nicht "schief" (also einer Schulter entgegen) stehen sollte, kann
ruhigen Gewissens als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Der Rest wird noch komplex genug!
Hier wird es dann endgültig ziemlich wild mit den Trainerhinweisen. Hat mal jemand versucht, seine Wirbelsäule zu strecken oder seine Seiten lang zu halten? Zu beidem ist der menschliche Körper schlicht nicht fähig! Jede Haltungskorrektur kann nur über Muskeln geschehen, diese aber können sich ausschließlich kontahieren, niemals jedoch strecken!
Zur weiteren Veranschaulichung wird nachfolgend diese Grafik dienen:
(1) Es genügt zunächst völlig, wenn die Rückenmuskeln beide Seiten gleich lang halten, gleich lang ist nämlich gerade! In Verbindung mit den großen Brustmuskeln sind die Rückenmuskeln zudem in der Lage, auch die Schultern unten zu halten. Das fühlt sich zwar anfangs etwas "kleiner" an im Bereich des Rumpfes, dafür ist das Halsproblem endgültig gelöst. Dieser wirkt dadurch entscheidend länger und das macht den großen Look aus.
(2) Nach dem gleichen System, allerdings schwieriger zu vermitteln, ist das Problem in der anderen Dimension zu lösen. Natürlich sorgen die Rückenmuskeln durch eine gesunde Grundspannung dafür, dass der Oberkörper des Tänzers nicht (gerade im Brustwirbelsäulenbereich) nach vorn zusammenfällt. Entscheidend für einen aufrechten Look sind aber die Bauchmuskeln. Nur wer den Bereich unter dem Brustbein kurz hält, der verhindert, dass im Ergebnis nur die Brust heraus gestreckt wird und der Tänzer doch nur wieder im Hohlkreuz endet.
(3+4) Eigentlich nur noch Nachtrag ist, dass die Muskelgruppen oberhalb der Schultern entspannt bleiben sollten. Wenn die Haltung bis hierher korrekt eingenommen wurde, liegen die Schultern automatisch tief und - aus der Seitenansicht - auf Höhe des Körpers.
Wer aufmerksam gelesen hat, dem ist aufgefallen, dass eigentlich sämtliche Stützmuskulatur rund um den Rumpf herum unter einer gewissen Grundspannung steht. Die Kunst des Stehens und Tanzens ist es nun für die Aktiven, wirklich alle diese Muskelgruppen unter dieser Spannung zu halten, ohne dabei zu verkrampfen und so an Bewegungsfreiheit einzubüßen.