In den bisherigen Ausführungen zum Thema Führung ging es hauptsächlich um die dafür erforderliche Verbindung
zwischen den Tanzpartnern und von welcher Beschaffenheit diese sein muss. Um Bewegung oder gar Fortbewegung
ging es bislang weniger. Das soll sich an dieser Stelle ändern.
Im Kapitel "Zug und Druck" hieß es, dass die Dame als Geführte sich dem Führenden, also seinen Veränderungen
der Körperschwerpunktes, anzupassen hat. Bewegt der Herr sich nach vorn, kommt die gute Dame ihm entgegen,
Druck entsteht und eine lebendige Verbindung, die Führung ermöglicht. Genau umgekehrt verhält es sich beim
Aufbauen von Zug. Die Körperschwerpunkte bewegen sich voneinander weg, eine Verbindung entsteht auch hier.
Wenn die Dame sich aber immer anpasst, wie entsteht dann Bewegung?
Entgegen einigen anders lautenden Theorien glaube ich, dass eben an hierfür eben doch die Arme erforderlich sind. Das Herstellen und die Aufrechterhaltung der Verbindung innerhalb des Paares geschieht durch Verlagerung der Körperschwerpunkte, die Initiierung der eigentlichen Bewegung aber erfordert einen Impuls aus der Hand bzw. aus dem Arm. In einer begrenzten Anzahl von Fällen und Körperpositionen zueinander kann man dies evtl. ersetzen durch Rotation im Oberkörper. Der Impuls aus dem Arm würde in diesem Fall ersetzt durch ein Geben bzw. Entziehen der Schulter. Um es klar zu sagen: ich halte diese Variante in vielen Fällen für missverständlich! Auch bei Schwerpunktverlagerungen im Stand rotiert der Oberkörper bisweilen und sei es nur um elegantere Körperlinien zu präsentieren. Das macht die Impulse für die Dame nicht eindeutiger.
Einmal in Bewegung ist es dann Aufgabe der Tanzpartner, die Spannung im Paar dennoch aufrecht zu erhalten.
Auf der einen Seite müssen die Bewegungen jedes Partners kraftvoll und frei wirken, auf der anderen Seite
muss noch immer genug Verbindung zwischen den beiden bestehen, dass der Herr jederzeit Einfluss auf die Dame
und ihre Bewegungen nehmen kann.
Auch hier habe ich vor kurzem wieder anderes gehört, meiner Meinung nach ist aber allein die Bewegungsrichtung
des Herrn ausschlaggebend für die Art der Verbindung. Bewegt er sich auf die Dame zu, herrscht Druck zwischen
den Partnern. Bewegt es sich von ihr weg, herrscht Zug. Ändert sich diese "Richtung" innerhalb einer
Bewegungseinheit, einer Figur, einer Schrittfolge, so muss sich auch der Charakter der Verbindung ändern.
Nur so folgt die Dame immer den Signalen des Herrn.