Im vorangegangen Kapitel zum Thema Führung ging es um die bloße Verbindung der Partner miteinander. Nun gilt es, dieser Verbindung Leben einzuhauchen. Die Begrifflichkeit Zug und Druck hat sich eingebürgert in diesem Zusammenhang. Das trifft durchaus den Kern des Ganzen, ist aber ohne weitere Erläuterungen missverständlich oder zumindest geeignet, falsche Vorstellungen zu erzeugen.
Bei den Begriffen Zug und Druck geht es weniger um Ziehen oder Drücken als vielmehr um das Herstellen
von Zug oder Druck zwischen den Tanzpartnern. Das sollte zunächst möglichst ohne Zutun der Arme passieren.
Zug und Druck sollten im Idealfall durch Verlagerung der Körperschwerpunkte zwischen den Partnern entstehen.
Da die große Überschrift noch immer "Führung" lautet, sollte der Aufbau dieser Verbindung vom Herrn ausgehen.
Verlagert der Herr seinen Körperschwerpunkt nach vorn, ist es Aufgabe der Dame, ihren Körperschwerpunkt
entsprechend nach vorn zu verlagern. Dadurch wird das Gleichgewicht im Paar aufrecht erhalten und gleichzeitig
eine Verbindung zwischen den Tanzpartnern aufgebaut. Durch den Druck zueinander bekommt diese Verbindung ihr
Leben und ihre Dynamik, die später notwendig sein werden um damit Bewegungen zu initiieren und Paartanzen zu
ermöglichen. Äquivalentes gilt selbstverständlich für Zug zwischen den Partnern.
Zu Übungszwecken können hierin ungeübtere Paare durchaus im Stand versuchen, diese Verbindung aufzubauen
und aufrecht zu erhalten. Wie das Paar in der Grafik oben bewegen sich die Partner dabei mit ihren
Körperschwerpunkten abwechselnd aufeinander zu und entfernen sich wieder voneinander. Im Idealfall bleibt das
Paar dabei dennoch in sich stabil und balanciert und die gefassten Hände konstant im Zentrum des Paares.
Das sollte nicht nur beiden Partnern ein Gefühl dafür geben, wie Spannung im Paar aufgebaut und erhalten wird,
es sollte auch ein Gefühl dafür vermittelt werden, wie dynamisch diese Verbindung sein kann und wie entscheidend
es ist, dass beide Partner gleichermaßen an deren ständigem Bestehen arbeiten. Kein Partner kann dabei die Arbeit des
anderen mit übernehmen, kein Partner kann Versäumnisse des anderen ausgleichen ... ganz gleich, wie sehr er oder
sie sich bemüht oder von welcher tänzerischer Qualität sein oder ihr Tanzen ist!
Das ist noch halbwegs überschaubar und auch umsetzbar im Stand. Bedenkt man aber, dass Tanzen eigentlich aus
Bewegung besteht und für dieses Zug-Druck-Gefüge zwischen den Tanzpartnern nicht die Körperschwerpunkte allein
ausschlaggebend sind, ahnt man bereits, dass es noch komplizierter wird.
Beim Tanzen, also der Bewegung, wird immer wieder neu Bewegungsenergie aufgebaut. Und es bedarf auch keines
größeren physikalischen Basiswissens um zu sehen, dass mit steigendem Tempo nicht nur die Reaktionszeit für
beide Partner kürzer wird, sondern auch die zu beherrschende Energie größer. Dann "drückt" und "zieht" also
nicht mehr nur das Körpergewicht, sondern auch der Schwung des jeweiligen Partners.
Das klingt nicht nur so, als könnte man daran ein Leben lang trainieren - es ist auch so!