Rhythmus für Fortgeschrittene

Fortgeschrittene Tänzer und Tänzerinnen lösen sich sehr schnell von der Grundschritt-Variante "Schritt, Schritt, Tap". Regelmäßig tanzen sie einen vierschrittigen Grundschritt (vgl. »Grundschritt), der hier in den bisherigen Ausführungen immer ganz zwanglos mit 1, 2 & 3 gezählt wurde.

Doch was passiert eigentlich rhythmisch gesehen, wenn statt eines dreischrittigen Grundschrittes ein vierschrittiger Grundschritt getanzt wird?

Hört man sich unter den Tänzern und durchaus auch den Wertungsrichtern einmal um, dann klingt das fast immer nach: Das letzte Tap des Grundschrittes wird durch zwei Schritte ersetzt! Das entspräche wohl rhythmisch einem slow, slow, quick, quick .
Eine "Lösung", die aus meiner Sicht mindestens diskussionswürdig ist!

Rhythmus allgemein

Dazu ist es notwendig, sich erst einmal etwas mit Rhythmik beim Tanzen im Allgemeinen auseinander zu setzen.

Zum Vergleich und zur weiteren Erläuterung:

ChaCha Cha Cha:
Zu sehen ist links ein Stück visualisierten ChaChas in Form eine Tonkurve.
Unstreitig wird ChaCha 2, 3, 4 & 1 gezählt, was quick, quick, quick & quick entspricht und so auch aus der Tonkurve abzuleiten ist.
Samba Samba:
Samba wird 1 a 2, 3 a 4 gezählt, was rhythmisch slow, a, slow, slow a slow entspricht. Die Tonkurve verdeutlicht auch das sehr anschaulich.

Dabei ist 1 slow = 2 quick = 1/2 Takt.
Ein & teilt den vorherigen Taktschlag im Verhältnis 1:1 (Mathematiker mögen kurz wegsehen) und
ein a teilt den vorherigen Taktschalg im Verhältnis 3:1 (also 0,75:0,25).

Transfer in den Discofox

Allein diese Informationen bergen jedoch ein großes Problem für den bisherigen Lösungsvorschlag zum Discofox: 1,2 & 3 entspricht 1/4, 1/8, 1/8, 1/4 und nicht 1/4, 1/4, 1/8, 1/8!

Vielleicht hilft ja ein Blick auf die Tonkurve zum Discofox weiter?

Discofox

Die Musik schreit geradezu nach einem Grundschritt Schritt, Schritt, Tap im Rhythmus 1/4, 1/4, 1/4. Es gibt keine relevanten Ausschläge zwischen den Schlägen 1, 2, 3, 4!
Der Tanzdynamik wegen soll aber ein vierschrittiger Grundschritt her. Legt man dazu die bisherigen Regeln zu Grunde, scheint es völlig gleichgültig, ob man

1, 2 & 3 = 1/4, 1/8, 1/8, 1/4 oder
1, 2, 3 & = 1/4, 1/4, 1/8, 1/8 zählt und tanzt.

Ich persönlich mag nach wie vor beide Lösungen nicht wirklich und zeige gleich auch noch auf, warum eine andere Variation mir viel sinnvoller und musikalischer erscheint. Das soll mich aber nicht hindern, zweierlei zu bemerken, was mir während der Diskussion zu diesem Thema im »Forum aufging:

  1. Es gibt viel öfter schlechte Musik, als man wahrhaben möchte. Und dazu gehört unter anderem auch sehr chacha-lastige "Discofoxmusik". Diese treibt einen die Musik hörenden Tänzer aber zwangsläufig in einen 1,2&3-Rhythmus.
  2. Die offensichtlich in der Schweiz übliche Version 1, 2, 3& ist zwar in Deutschland unüblich und hier wohl auch kaum noch salonfähig zu machen, eine Stärke kann man ihr aber kaum absprechen: Sie betont den jeweils ersten Schritt einer Figur und setzt so rhythmische Akzente passend zur Choreografie.

Eine Lösung zur Musik

Alles das ändert aber nichts daran, dass auf korrekt (ein-)gespielte Discofoxmusik alle diese &-Theorien irgendwie monoton wirken. Der Schritt auf & liegt gerne einmal noch im Ausklang des vorherigen Taktschlages und sonderlich pointiert wirkt das Tanzen auch nicht.
Also bleibt dem ambitionierten Discofox-Paar nur ein "Durchfudeln", vorbei an allen Theorien oder eine ganz neue Idee. Da war doch noch was bei der Samba ... ginge nicht 1, 2 a 3 also 1/4, 3/16, 1/16, 1/4?

Discofox

Ich denke schon, denn die Vorteile liegen auf der Hand: Die betonten Schritte 1, 2 und 3 liegen wunderbar auf den Ausschlägen der Musik, selbst Schritt 2 ist fast so lang gehalten, wie der Taktschlag es nahelegt und das eingefügte unbetonte a liegt im musikalisch toten Bereich des Taktes. Umgewöhnen müsste man sich nur beim Zählen: korrekt wäre dann 1, 2 a 3.

Ach ja ... nur damit wir alle über das Gleiche sprechen:
Horst hat freundlicherweise midi-Files zu Anschauungszwecken zur Verfügung gestellt »12&3 vs. »12a3