Rhythmus für Profis

Nachdem in den vorangegangenen Kapiteln bereits einiges zum Thema Rhythmus gesagt wurde, stellt sich abschließend die Frage, wie man sein Tanzen diesbezüglich verbessern kann. Meiner Meinung nach ist eine Orientierung am Rhythmus slow, slow a slow ein erster guter Schritt.
Doch ganz gleich für welchen Rhythmus man sich entscheidet, ihn richtig vertanzen muss man schon selbst! Wie dies am besten zu bewerkstelligen ist soll Thema dieses Kapitels werden.

Wer sich das Kapitel »Rhythmus für Fortgeschrittene noch einmal ansieht, wird dort lesen, dass beim Tanzen immer auf den Taktzeitbeginn gezählt wird.

Discofox Soundkurve

Das entspricht den großen Auschlägen in der Tonkurve. Beim Zählen stört es auch kaum, wenn Pausen zwischen den Taktschlägen entstehen, beim Tanzen sieht das schon ganz anders aus:
Da bleibt nach einem Taktschlag (beispielsweise 1) noch eine Menge Zeit bis zum nächsten Taktschlag (folgerichtig 2). Die Fähigkeit, diese Zeit insbesondere bei langsamer Musik sinnvoll zu füllen, macht aus meiner Sicht einen rhythmisch guten Tänzer aus.
Wer an dieser Stelle noch immer im Anfänger-Schema "Schritt, Schritt, usw." denkt, wird schnell mit seinem Latein am Ende sein und sich in Scheinlösungen wie "langsamer Tanzen" flüchten müssen.

Für den fortgeschrittenen Tänzer hingegen ist ein Schritt mehr als ein Schritt. Vielmehr ist ein Schritt eine Bewegungsfolge, die sich auch in verschiedene Phasen einteilen lässt:

Schritt im Detail

Dabei gibt die Grafik oben die Takteinteilung nur symbolisch wider!

Entscheidend ist, sich dieses Mechanismus klar zu werden. Auf die gezählte 1 erfolgt der erste Schrittansatz und eine Teilübernahme des Körpergewichtes durch den gerade gesetzten Fuß. Der Körperschwerpunkt befindet sich zu diesem Zeitpunkt zwischen den Füßen.
Den Rest der Zeit bis zur 2 gilt es anschließend übergangslos mit dem Weitertransport des Schwerpunktes zu füllen. Dabei bringt/drückt immer der eine Fuß das Körpergewicht auf den anderen. Wenn dies geschafft ist, steht der Tänzer mit seinem gesamten Gewicht auf dem "neuen" Fuß. Der andere Fuß ist jetzt frei, sprich ohne Gewicht.
Diesen jetzt schon wieder schreiten zu lassen, ließe aber den Bewegungsablauf stocken. Bisher hat sich der Körper und dadurch der Körperschwerpunkt gleichmäßig in eine Richtung bewegt. Um dieses gewünschte Ergebnis nicht auf der Zielgeraden noch zu zerstören, bleibt der fortgeschrittene Tänzer an dieser Stelle nicht stehen und setzt einen neuen Schritt an.
Vielmehr bewegt er seinen Körper (-schwerpunkt) weiter. So bleibt die flüssige Bewegung erhalten. Damit verlässt er zwar die sichere, standfeste Position direkt über seinem Fuß, der dadurch aber zielgerichtet und gesteuert aufkommende Gleichgewichtsverlust löst seinerseits aber den nächsten Schritt aus. So bewegt sich der Körper kontinuierlich, gleichmäßig und natürlich ohne sichtbare Pausen oder gezwungen wirkende Schrittansätze.

Auf das ursprüngliche Rhythmus-Problem herunter gebrochen heißt das aus meiner Sicht:
Der Schrittansatz inkl. der Teilübertragung des Körperschwerpunktes sollte möglichst pointiert auf die (gezählte) 1 geschehen. Die verschiedenen Stadien des weiteren Körpertransportes sind es, die dann dem Tempo der Musik angepasst vertanzt werden müssen. Genau hier liegt der Schlüssel zu rhythmischem Tanzen. Wer zwischen den Schritten seinen Körper "parkt", wirkt steif und undynamisch. Wer zu schnell tanzt oder seine Schritte zu früh ansetzt, wirkt unrhythmisch. Nur wer die Zeit zwischen zwei Taktschlägen kontrolliert durch stetigen Körpertransport füllt, kann rhythmisch und "on the time" wirken!

Wie das bei Schrittkombinationen zu lösen ist, die zwischenzeitlich die Richtung ändern (Checks), ist ein anderes Thema, das aber aus meiner Sicht mehr in ein technisches Problemfeld gehört als in ein rhythmisches ... die Grundidee ändert sich dabei nicht!