Zur besseren Nachvollziehbarkeit mit Animation im Extrafenster: »Windmill [17KB]
Die Windmill ist aus meiner Sicht ein wenig das Problemkind unter den "simplen" Discofoxfiguren. Warum das so ist, soll nachfolgend verdeutlicht werden.
Die ersten Schritte der Partner auf 1 werden von beiden Partnern mit leichter Linkstendenz
getanzt um den Partner auf dessen rechter Seite passieren zu können.
Jetzt wäre nach den Regeln, die wir bisher technisch auf das Schreiten und Drehen angewendet
haben, der korrekte Zeitpunkt für den Herrn zu drehen. Wie bereits in den anderen Figuren würde er dann
das Körpergewicht nicht sofort ganz übertragen, sondern zunächst noch zwischen den Füßen drehen.
Am Ende der Taktzeit 1 wäre dann der Gewichtstransfer abgeschlossen und der Herr hätte gedreht.
Problem: die Frau kann in ihrer Position (rechter Fuß vorne) in keinem Fall rechts herum drehen!
Also dreht der Herr an dieser Stelle nicht, weil er sonst in einer Art "Side by side"- Position neben
der Partnerin enden würde (zudem mit unangenehmer Handhaltung). Im Hinterkopf bleibt, dass er hier sehr
gut hätte drehen können, die Frau aber unter keinen Umständen.
Es folgt der zweite Schritt für beide Partner. Nun sieht das Bild genau umgekehrt aus. Die Dame
könnte hervorragend ihr Körpergewicht zunächst zwischend den Füßen halten und drehen. Doch jetzt hat
der Herr den rechten Fuß vorne, kann also genau wie zuvor die Dame unter keinen Umständen drehen!
Weil es später aber für die Dame keine Möglichkeit mehr gibt noch zu drehen, habe ich sie in der
Animation mangels ersichtlicher Alternative drehen lassen. Dabei muss aber klar sein, dass der Herr
dies führen müsste ohne selbst schon zu drehen und die Dame im Ergebnis anschließend in die gleiche
Richtung schauen würde wie der Herr. Dass es zudem reichlich kniffelig werden dürfte, an dieser Stelle
die Arme zu koordinieren, kommt hinzu.
Der Herr hat jetzt noch immer nicht gedreht und wird es auch in der bisher beschriebenen Technik
nicht mehr rechtzeitig tun können. Eine Lösung könnte evtl. aus der Samba adaptiert werden.
Dort gibt es Bota Fogos:
Dort wird der Richtungswechsel eingeleitet durch einen zwar auf der Balleninnenseite aber dennoch
vorwärts angesetzten Schritt. Auf diesem Schritt, der nie volles Gewicht bekommt, wird dann gedreht
und von dort aus aktiv zurück belastet auf den ursprünglichen Fuß. Laienhaft ausgedrückt für alle
sambaunkundigen also so etwas wie ein vorwärts angesetztes "Ball-Change" mit daraus resultierender Drehung.
Diese Idee ließe sich auf die letzten Schritte der Windmill evtl. übertragen. Während die Dame bereits gedreht hat und ganz klassisch "ball-change" tanzen kann, könnte der Herr eben dieses dem Bota Fogo entliehene Ende tanzen, also links vorwärts, darauf drehen und zurück belasten.
Um es klar zu sagen:
Diese "Lösung" wirft ein Vielzahl von Problemen auf! Vielleicht ist sie nicht einmal eine Lösung.
Die Animation oben bebildert trotzdem diese Herangehensweise und soll auch begründet werden.
Die hier vorgestellte Lösung hat das Problem, dass die Partner noch immer nicht gleichzeitig drehen
(wie in der Animation zu sehen). Sie drehen aber immerhin beide innerhalb der zweiten Hälfte der
Taktzeit 2. Zeitlich so dicht beisammen würden die Partner bei anderen Ansätzen meines Erachtens
nicht drehen.
Die Drehung im "Bota Fogo"- Style ist sicherlich auch nicht der Königsweg für den Discofox. Aber diese
Technik ist immerhin etabliert und kann technisch sauber und vorzeigbar getanzt werden. Könnten
andere Lösungen das in gleichem Maße von sich behaupten?
Die Windwill ist - obwohl vieles hier unbeantwortet bleibt - aufgenommen worden, weil sie aus meiner Sicht ein ganz hervorragendes Beispiel dafür ist, dass im Bereich des Discofox' technisch gesehen noch vieles im Argen liegt. Ich meine es völlig Ernst, dass mich eine offene Diskussion um eben solche Basic-Fragen interessieren würde. Vorschläge, Verbesserungen, Denkanstöße, ganz gleich ob per »Mail oder sofort für alle im »Forum sind gern gesehen, ausdrücklich erwünscht und werden ganz sicher auch nicht unbeantwortet bleiben.